And the Baden-Württembergische
Filmpreis goes to...

Bester Spielfilm

Dem in Balingen geborenen Regisseur Stefan Krohmer. der bereits für seine Filme 'Ende der Saison' (2001) und 'Familienkreise' (2003) den Grimme-Preis erhielt, gelang nach Auffassung der Jury mit der SWR-Produktion 'Zur Hölle mit den Anderen' "ein Pointenfeuerwerk, wie man es aus Deutschland selten sieht. Krohmer schuf "eine urkomische, pointierte und klug geschriebene Gesellschaftssatire, die mit beeindruckender Genauigkeit und Leichtigkeit umgesetzt wurde". Sein lakonisch komödiantisches Kammerstück stellt zwei Paare vor, deren Lebensentwürfe unterschiedlicher nicht sein könnten: Wo die eine ihren dreijährigen Sohn noch immer stillt und ihre intellektuellen Ambitionen aus Lesezirkeln bezieht, und dabei die perfekte Hausfrau an der Seite ihres Unternehmer-Macho-Mannes mimt, lebt die andere als Kulturmanagerin das Lebensmodell der alleinigen Versorgerin mit einem häuslichen Mann, der als Öko-Weichei und idealistischer Weltverbesserer herhält. Zunächst noch unter dem Deckmantel der Höflichkeit, halten sich die Sticheleien und kritischen Anspielungen der alten Freundinnen noch in Grenzen. Doch je weiter der Tag voranschreitet, umso offener wird die gegenseitige Abneigung zur Schau getragen, überdies allmählich auch die Fassade jedes Einzelnen bröckelt. Als sogar ein Kind in den Mittelpunkt der gegenseitigen Häme gerückt wird, gerät die Situation außer Kontrolle. "Bei diesen überraschenden Wendungen und den wechselnden Allianzen entwickelt die Handlung einen solchen Sog, der dem Zuschauer vor Lachen beinahe den Atem raubt. Dabei bleiben die Figuren immer nah und komisch abgründig zugleich. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt dem grandiosen Ensemble, das mit faszinierender Authentizität agiert," lobte die Jury. 

Bester Kurzfilm

Die in Darmstadt geborene Regiestudentin Sinje Köhler spürt in ihrem Kurzfilm 'Freibadsinfonie' "in einer eigenen Handschrift das Besondere im Alltäglichen auf, ohne dabei ins Banale abzugleiten", so die Jury. Die Regisseurin beweise eine nuancierte Beobachtung ihrer Charaktere, sowie ein sensibles Gespür für die künstlerische Umsetzung. Das zeige sich im bewusst gewählten Einsatz der Bilder, der Musik und nicht zuletzt in der sorgfältigen Auswahl des Drehorts, der nicht unwesentlich zum Gelingen des Films beiträgt.
Mit Leichtigkeit erzählt der Film von einem Sommer, der endlos scheint, aber jäh unterbrochen werden könnte von einer aufziehenden Gewitterwolke. "Die göttliche Katharsis für die Figuren bleibt aus; jede bleibt letztendlich sich selbst überlassen. Und dennoch - und das ist die für uns schönste Schlussfolgerung des Films - nicht allein," fand die Jury. Wie der Titel 'Freibadsinfonie' schon andeutet, geht es um ein Miteinander, das manchmal kompliziert scheint, ja sogar scheitern kann, wenn man es nicht mehr gewohnt ist, im zwischenmenschlichen Kontakt zu sein. Die Jury kam zu dem einhelligen Urteil: "Die liebevoll arrangierte Sinfonie lässt jede Person in diesem filmischen Abbild der Gesellschaft ihren ganz eigenen unverwechselbaren Ton spielen und bringt uns als Zuschauer ganz nebenbei dazu, unseren eigenen Tönen vergangener Sommer nachzuspüren".

Bester Dokumentarfilm

Mit dem Dokumentarfilm 'Ohne diese Welt' schließt Nora Fingscheidt ihre Regiestudium an der Filmakademie in Ludwigsburg ab. "Still, beobachtend und mit spürbarem Respekt, ermöglicht das Filmteam einen seltenen Einblick in das Leben von deutschstämmigen Mennoniten im Norden Argentiniens. Durch den subtilen Dialog, den das Filmteam mit den scheuen Menschen eingeht, wird ihre Präsenz zu einem Teil des Films und deutet dadurch auf den sich anbahnenden, von außen herbeigeführten Wandel innerhalb der Gemeinschaft hin", begründet die Jury ihr Votum. Nora Fingscheidt und ihr Team schafften es durch eine ganz eigene Stimmung und Bildsprache einen "künstlerisch und inhaltlich beeindruckenden Film zu erzählen, der neben hohem stilistischen Anspruch immer authentisch bleibt".

Bester Animationsfilm

Mit viel Fantasie und künstlerischer Eigenart, so die Jurybegründung, erzählte die Ludwigsburger Animationsstudentin Maite Schmitt ihre Geschichte über Vorurteil und Freundschaft. Dabei flattern originell gestaltete Charaktere durch die detailreich mit Buntstift gezeichnete Welt der alten Bücher und drohen sie zu zerstören. ‚A Priori‘ begeistert die Jury durch die hohe Filmästhetik, die gelungene Kameraführung und den klugen Mix aus 2D und 3D Animation. Farbgestaltung und Ausführung der Animation passten sehr gut zum Stil der Geschichte. "Die einfühlsame Musik und das pfiffige Sounddesign unterstreichen die märchenhafte Atmosphäre des Films. Intelligent - meisterhaft umgesetzt", heißt es in der Jurybegründung weiter.

Für seinen Animationsfilm 'Bis Donnerschdag' erhielt Michael Bohnenstingl, Student an der Filmakademie in Ludwigsburg, eine lobende Erwähnung. Sein Filmschau-Beitrag fasst thematisch ein heißes Eisen an, Mobbing in Schulen, und überzeugte die Jury dabei durch brillante Erzähl-Ökonomie und den frechen Stil. Es gehöre viel Zivilcourage dazu, sich im Rampenlicht bei der Schulaufführung gegen die schwäbischen Rapper zur Wehr zu setzen. "Dabei besticht der Film durch die stilistische Geschlossenheit als SW- Strichzeichnung und die reduzierten, markanten Charaktere. Die ausgefeilte Animation bringt den trockenen Witz auf den Punkt: unschlagbar spritzig", begründete die Jury ihre Entscheidung. 

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